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inno.teach - Tag [qualitätsfonds]

Good Practice – Mapping of Inclusion (MoI)

Veröffentlicht am 23. November 2023

Logo von MApping of Inclusion: Ein M, das O als stilisierte Weltkugel und ein L 

Name: Prof.in Dr. Michaela Vogt, Marlene Pieper, Till Neuhaus, Mark Schäffer-Trencsényi, Christoph Bierschwale sowie Magdalena Klaes und Elora Sadiki als studentische Kolleginnen

Fakultät /Fachgebiet: Fakultät für Erziehungswissenschaft, AG 11 – Schulpädagogik in komparatistischer Perspektive

An der Uni seit: Professur Michaela Vogt seit 2018 an der Universität Bielefeld, das Mapping of Inclusion wird seit dem Wintersemester 2022/2023 betrieben

Lehrveranstaltung und Lehrveranstaltungsart: anschlussfähig an alle Lehrformate aus der Erziehungswissenschaft, die sich im Kontext von Inklusion und Exklusion (in internationaler Perspektive) bewegen; wie z.B. das Seminar „Inclusion and Exclusion in Different Educational Systems: Global Perspectives“ aus dem SoSe 23

Gefördert durch: Qualitätsfonds für die Lehre

Übertragbarkeit auf andere Fachgebiete: 5 von 5 Sterne

(Digitale) Innovation:

Was wird gemacht: Das Mapping of Inclusion (MoI) ist eine digitale Lehr- und Lernlogik, in welcher von Studierenden erarbeitete Produkte (z.B. Studien-/Prüfungsleistungen, Abschlussarbeiten etc.) zur Thematik Inklusion (in internationaler Perspektive) gesammelt, auf einer digitalen Weltkarte hinterlegt und für Studierende sowie Lehrende unter offenen Lizenzen zur Verfügung gestellt werden. Das MoI ist eine stetig wachsende Plattform, die den Themenkomplex Inklusion in lokaler sowie globaler Ausprägung bearbeitet und durch dezentral agierende Bemühungen versucht die vielfältigen Ausprägungen dessen, was unter Inklusion verstanden wird, zu ‚kartographieren‘.

Wie wird das Projekt umgesetzt: Das MoI ist an verschiedene BA-/MA-Seminare der Fakultät für Erziehungswissenschaft angebunden, in deren Rahmen Studierende u. a. Vergleiche von nationalen Schulsystemen und Inklusionsverständnissen durchführen. Wir bieten ein Materialpaket (inkl. Qualitätskriterien, Handreichungen zur Nutzung und Erstellung lizenzfreier Grafiken, etc.) an, das die Erstellung von MoI-Produkten anleitet.Damit sind alle interessierten Forschenden und Studierenden eingeladen, ihre bereits bestehenden Arbeiten zu Inklusion im Rahmen des MoI zu veröffentlichen.

Screenshot der Webseite zur Erklärung, wie man ein Mol-Produkt erstellt 

Ziel der Innovation:Durch das MoI wird eine breite, digitale Präsentation von Studierendenarbeiten zur Thematik Inklusion in international-vergleichender Perspektive ermöglicht. So werden Arbeiten Studierender nicht nur sichtbar, sondern auch nachhaltig nutzbar gemacht. Die digitale Weltkarte bahnt einen wissenschaftlichen Austausch bzgl. Inklusion in international-vergleichender Perspektive an und schafft Anknüpfungspunkte für zukünftige Fragestellungen (z.B. für Seminar- oder Abschlussarbeiten).

Erfahrung und Evaluation: Durch die Anknüpfung an verschiedene Seminare zum Thema Inklusion (und Internationalität) in den vergangenen Semestern konnten wir Projektabläufe optimieren und Bedarfslagen Studierender hinsichtlich des öffentlichen Teilens von eigenen Arbeiten sowie den Umgang mit digitalen Plattformen identifizieren. Besonders herauszustellen sei hier die durchweg positive Evaluation der Studierenden, die mit großer Bereitschaft ihre Studien- und/oder Prüfungsleistungen dem MoI zur Verfügung stellen.

Curriculare / Modulare Verankerung: Durch die Anknüpfung an verschiedene Seminare zum Thema Inklusion (und Internationalität) in den vergangenen Semestern konnten wir Projektabläufe optimieren und Bedarfslagen Studierender hinsichtlich des öffentlichen Teilens von eigenen Arbeiten sowie den Umgang mit digitalen Plattformen identifizieren. Besonders herauszustellen sei hier die durchweg positive Evaluation der Studierenden, die mit großer Bereitschaft ihre Studien- und/oder Prüfungsleistungen dem MoI zur Verfügung stellen. 

Herausforderungen & Lösungen:

Die Komplexität bzw. fehlenden Anleitungen zur Nutzung von OER-Lizenzierungen im Kontext von Studien- und/oder Prüfungsleistungen für Studierende stellte im Verlauf des Projektes eine Herausforderung dar, auf die mit selbsterarbeiteten und -erstellten Handreichungen reagiert wurde.

Eine der größten (noch zu überwindenden) Barrieren stellen jedoch die technischen Möglichkeiten der digitalen Tools dar, mit denen die MoI-Produkte auf einer digitalen Weltkarte dargestellt werden können. So erweist sich die Verwendung von TaskCards für die langfristige Nutzung aufgrund fehlender Filter- und Suchfunktionen als nur eingeschränkt geeignet. Da zweckdienliche Alternativen zu TaskCards fehlen, ist die Weiterentwicklung entsprechender Tools notwendig. Andere Softwarelösungen weisen jedoch vergleichbare Lücken auf, sodass die langfristige, nachhaltige und benutzerfreundliche Verwendung des MoI von der Weiterentwicklung der bislang genutzten Software anteilig abhängig ist.

Welche Unterstützung habe ich genutzt:

Das Zentrum für Lehren und Lernen sowie das Justiziariat der Universität Bielefeld dienten als Anlaufstelle für Fragen bezüglich der OER-Lizenzierungen, während das BITS bei technischen Fragen in Bezug auf die digitalen Tools als Archivierungs- und Darstellungsplattform zur Unterstützung herangezogen wurde.

Welches Projekt steht als Nächstes an?

Das MoI soll im Rahmen einer angestrebten Förderung fortgeführt und weiterentwickelt werden. Dem MoI-Team ist nämlich aufgefallen, dass viele Informationen und Materialien zu internationalen Schulsystemen und Inklusionsthematiken entweder unvollständig, inkorrekt oder veraltet sind. Um diesem Umstand entgegen zu wirken, sollen zukünftig – durch die Zusammenarbeit von Studierenden mit internationalen Expert:innen – Materialien entwickelt und reflektiert werden, die internationale Schulsysteme (vor allem aus dem ‚Globalen Süden‘) unter besonderer Berücksichtigung von inklusiven Fragenstellungen betrachten. Die dort entwickelten Produkte sollen selbstverständlich dem MoI zugeführt werden.  

Weitere Anmerkungen:

Wir würden uns ausgesprochen freuen, wenn Dozierende zusammen mit ihren Studierenden das MoI im Rahmen von Veranstaltungen nutzen und weiter ausfüllen möchten, denn nur zusammen können wir die ‚Mammutaufgabe‘, die die Vermessung des Konzeptes Inklusion darstellt, erfolgreich angehen. Sollten Sie bzw. solltet Ihr Fragen oder Anregungen haben, so sind wir unter den unten genannten Adressen ansprechbar.

Mehr erfahren:

Sie möchten einen Beitrag zum Mapping of Inclusion leisten? Für weitere (Teilnehmer*innen-)Informationen besuchen Sie gerne unsere Website. Zu unserer digitalen Weltkarte gelangen Sie hier.

Kontakt kann jederzeit gerne per Mail über mapping-of-inclusion@uni-bielefeld.de aufgenommen werden. Wir freuen uns auf Ihre Fragen und Impulse!

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Good Practice – Computergestützte Datenanalyse mit R/exams

Veröffentlicht am 11. Juli 2023

Name: Christoph Kiefer

Fakultät /Fachgebiet: Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften, Abteilung Psychologie, AE06 – Psychologische Methodenlehre und Evaluation

An der Uni seit: 10/2020

Lehrveranstaltung und Lehrveranstaltungsart: Vorlesung „Statistik III – Computergestützte Datenanalyse“ (WiSe 2021/22)

mittlerweile auch auf andere Vorlesungen des Fachbereichs übertragen (z.B. Multivariate Verfahren im Master)

Gefördert durch: Qualitätsfonds für die Lehre

Übertragbarkeit auf andere Fachgebiete: prinzipiell gut, sofern Anwendung quantitativer Methoden geprüft werden soll

(Digitale) Innovation:  

Was wird gemacht: Integration von praktischen Datenanalysen mit R in ein Open-Book-Klausurformat

Wie umgesetzt: Nutzung von Open-Source-Paketen (R, exams), die das Erstellen und automatische Auswerten der Klausuren in Moodle erlauben

Ziel der Innovation: Direkte Prüfung der Kompetenz zur computergestützten Datenanalyse

Erfahrung und Evaluation: Bislang gute Erfahrungen, wenn man auf ein paar Dinge achtet (s.u.); wird von den Studierenden gut angenommen; Format auch für andere Vorlesungen unserer Arbeitseinheit übernommen

Herausforderungen & Lösungen:

Bei der Umsetzung sehen wir zwei größere Herausforderungen, die man im Blick haben muss:

- Die Umstellung vom „klassischen“ aufs neue Klausurformat kann Unsicherheit bei den Studierenden erzeugen. Aus unserer Sicht war es daher sehr wichtig, (a) die neuen Anforderungen sehr früh und transparent zu kommunizieren (z.B. Besprechung des Klausurformats in der ersten Vorlesung und Bereitstellen einer Beispielklausur) und (b) das tatsächliche Einüben der computergestützten Datenanalysen stärker zu fördern (z.B. Übungsgruppen, wöchentliche Aufgaben im Klausurformat).

- Die Programmiersprache R ist sehr vielfältig und oft gibt es viele Wege um eine Datenanalyse durchzuführen. Manchmal können sich dabei aber scheinbare Kleinigkeiten ändern, die in Summe dann zu einem anderen oder „falschen“ Ergebnis führen (z.B. weil Daten in einem anderen Format eingelesen werden als bei einer Vergleichsfunktion). Unser Lösungsansatz war (a) viel Erfahrung mit unterschiedlichen Auswertungsstrategien zu sammeln (z.B. im Rahmen der wöchentlichen Übungen) und Konstellationen, die leicht zu verschiedenen Ergebnissen führen können zu meiden und (b) in der Klausur ein offenes Feld für den R-Code bzw. weitere Informationen zum benutzten Computer zur Verfügung zu stellen, sodass im Zweifelsfall nachvollzogen werden kann, ob die Analyse grundsätzlich richtig gewesen ist.

Welche Unterstützung habe ich genutzt: Wir nutzen schwerpunktmäßig das Open-Source-Paket exams, das von Achim Zeileis (Uni Innsbruck) entwickelt und  kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Sowohl für die Klausur als auch die wöchentlichen Übungen greifen wir auf die Moodle-Struktur der Uni Bielefeld zurück. 

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Prof. Dr. Maximilian Benz – Dein Weg zu hybrider Lehre

Veröffentlicht am 29. April 2022
 Professor Dr. Maximilian Benz
Professor Dr. Maximilian Benz

Ich hatte das Vergnügen mit Prof. Dr. Maximilian Benz zu sprechen. Wir reden über die Umstellung zu digitaler und hybrider Lehre, wie der Sprung ins kalte Wasser gelungen ist und was der Qualitätsfonds der Universität Bielefeld damit zu tun hat.

Birte Stiebing: Hallo! Wir fangen einfach an: Wer bist du und was machst du an der Universität Bielefeld?

Maximilian Benz: Mein Name ist Maximilian Benz. Ich bin Professor für Deutsche Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit und ich bin seit 2020 an der Universität Bielefeld. Mein Fach ist eingebunden in die Germanistik und dort der dritte Fachteil neben der neueren deutschen Literaturwissenschaft und der Sprachwissenschaft. In der Lehre beschäftige ich mich vor allem mit Bachelor-Veranstaltungen, aber auch mit einigen Veranstaltungen im Master und ich biete auch ein Forschungskolloquium an.

BS: Wie bereitest du dich klassischerweise auf eine Lehrveranstaltung vor?

MB: Das hängt sehr stark vom Format ab. Bei Seminaren kommt es eher darauf an, dass man einen groben Fahrplan hat, der einem hilft, die 90 Minuten so zu strukturieren, dass einerseits eine Diskussion in Gang kommen kann, andererseits aber auch auf ein Ergebnis hingearbeitet wird. Der Wechsel zwischen Stimulieren einer Diskussion und Ergebnissicherung ist also ausschlaggebend.

Bei einer Vorlesung ist es etwas anders. Da kommt es darauf an, 90 Minuten mehr oder weniger frei einen Inhalt zu referieren – und das möglichst klar. Da steht dann erst einmal die Aufteilung des zu vermittelnden Stoffs im Vordergrund, dann die Gestaltung der Folien und das Suchen von konkreten Beispielen. Die Interaktion, die für die Seminargestaltung wichtig ist, fällt also weitestgehend weg. Dafür hat man bei der Vorlesung dann eben andere Formate, die zur Aktivierung der Studierenden beitragen sollen.

„Die Umstellung auf digitale Lehre kam wirklich über Nacht. Das war eine ziemlich kalte Dusche“

BS: Auch du musstest 2020 auf digitale Lehre umstellen, was waren deine ersten Erfahrungen damit?

MB: Es hat mich sogar besonders hart getroffen! Als das losging im Frühjahr 2020, war ich noch an der Universität Zürich in der Schweiz und dort hatten wir andere Semesterzeiten. Das heißt, das Semester begann im Februar in Präsenz, noch ohne Einschränkungen. Die Umstellung auf digitale Lehre kam wirklich über Nacht. Das war eine ziemlich kalte Dusche, hat aber insofern ganz gut funktioniert, als ich von Anfang an nicht das Gefühl hatte, jetzt 90 Minuten einfach in den digitalen Raum verschieben zu müssen, sondern das aufbrechen zu können und zu müssen. Ich habe dann selbst Podcasts aufgenommen. Das war am Anfang technisch schwierig für mich, das muss ich zugeben. Es ging aber immer besser und schneller mit der Zeit. Damit konnte ich die 90 Minuten so aufteilen, dass sich die tatsächliche Diskussion in der Gruppe auf 45 Minuten beschränkt hat. Die Studierenden konnten einen Teil asynchron selbst machen.

BS: Das hast du direkt so umsetzen können?

MB: Ja, also am Anfang dauerte die Erstellung eines 15-minütigen Podcast schon mehrere Stunden. Ich musste das auch erst mal lernen. Das Einsprechen der Tonspur ist, wenn man das gar nicht gewohnt ist, schwierig. Dann verspricht man sich, nimmt das noch mal auf, dann passt das auf einmal alles nicht mehr zusammen. Das war schon ziemlich hart.

Aber das wurde im Verlauf des Semesters besser, und es war in der Retrospektive vielleicht auch ein Segen, dass das so über Nacht ging, denn dadurch war sofort klar, man muss jetzt hier diversifizieren. Es war gezwungenermaßen ein Fahren auf Sicht, aber dafür war die Rückmeldung auch unmittelbar.

BS: Wie konntest du deine Studierenden in so einer Situation wieder aktivieren?

MB: Das war in dem ersten Semester insofern kein Problem, als ich sie alle noch aus der Präsenzlehre kannte. Wir waren uns also alle in Zürich im Hörsaal schon begegnet und kannten uns mit Namen – das ist eine ganz andere Voraussetzung, als ich sie dann in Deutschland hatte. Auch wenn ich fairerweise sagen muss, dass es ja im Wintersemester 2020 / 21 zuerst noch mit hybrider Lehre losging, die dann aber doch sehr schnell eingestellt wurde wegen der Infektionsrate zu der Zeit.

Die Voraussetzung ist einfach eine andere, wenn man die Gruppe schon persönlich kennt, und das würde ich – wenn möglich – immer mitnehmen, dass man sich auch schon mal direkt im Hörsaal getroffen hat. Dann digital weiter zu arbeiten ist eine andere Situation als direkt digital zu starten. Dann kennt sich eigentlich niemand so richtig in dieser „Kachelkommunikation“.

„Eine meiner ersten Amtshandlungen war ein Antrag beim Qualitätsfonds“

BS: Seit dem Wintersemester 2020 / 21 bist du nun an der Universität Bielefeld, richtig?

MB: Genau und eine meiner ersten Amtshandlungen war ein Antrag beim Qualitätsfonds (lacht). Die Einführungsvorlesung in die Mediävistik, die ich übernommen habe, war schon vor der Umstellung auf digitale und hybride Lehre schwierig, weil wir hier von einer Gruppe von meist über 200 Leuten im Wintersemester reden. Da war die Aktivierung der Studierenden im alten Modus schwierig genug, wie ich von meinem Vorgänger weiß und selbst auch schon erlebt habe, als ich die Vorlesung vertretungsweise 2018 / 19 gemacht hatte. Das Problem der Studierendenaktivierung war also schon immer da und wurde durch die Digitalität noch mal verschärft.

BS: Du hast den Qualitätsfonds grad angesprochen. War das deine erste Lehrveranstaltung, für die du dich dort beworben hast?

MB: Ja, genau. Als ich gehört habe, dass sich die Problematik durch die Digitalität verstärkt hat, habe ich diesen Antrag an den Qualitätsfonds gestellt, auch mit Blick darauf, dass mir die Studienleistungen noch in sehr negativer Erinnerung waren. Das war einfach sehr viel Korrekturarbeit mit wenig Ertrag und auch für die Studierenden wenig hilfreich. Da kam ich dann auf die Idee, das Format der Studienleistung zu nutzen, um die Studierenden auch zu aktivieren. Eben mit Podcasts. Die Studierenden haben in Gruppenarbeit Folien erstellt und einen Podcast dazu produziert.

BS: Würdest du das Prinzip so weiterführen, wenn die Vorlesung in Präsenz stattfindet?

MB: Das würde ich auch so weiterführen, wenn die Lehrveranstaltung in Präsenz stattfindet, was ich jetzt im Sommersemester ja tun werde, obwohl wir gerade atemberaubende Infektionszahlen sehen. Wie wir damit dann umgehen, sind dann die praktischen Probleme des Sommersemesters, die wir angehen werden. Aber grundsätzlich finde ich das sehr gut, die Vorlesung in Präsenz zu halten, aber digitale Elemente als Unterstützung zu nutzen. Ein großer Vorteil ist zum Beispiel, dass Studierende als Gruppen mithilfe von Zoom einfacher zusammenarbeiten können. Bei studentischen Arbeitsgruppen, die für Lehrveranstaltungen gebildet werden, war die Terminfindung früher immer sehr schwierig. Zum Teil kamen dann nur manche, andere wieder nicht. Ich glaube, gerade da kann man auch dazu beitragen, dass solche Diskussionsgruppen, die neben einer Präsenzveranstaltung stattfinden, einfacher organisiert werden können.

BS: Was nimmst du noch mit von den Erfahrungen, die du in den letzten Semestern gemacht hast? Lässt sich da noch mehr auf die Präsenzlehre übertragen?

MB: Für mich war ganz wichtig, dass man Studierende dazu bringt, dass sie in Kleingruppen miteinander arbeiten. Und dazu braucht es Formate, die dann auch eine Verbindlichkeit mit einbeziehen. Wenn man sagt „Setzt euch zusammen und tauscht euch aus“, dann machen das manche, manche aber auch nicht. Die Struktur und die Sicherung des Austausches sind wichtig. Das darf sich aber nicht negativ auf die Durchführung der Vorlesung auswirken. Das muss also ordentlich geplant werden und die Studierenden brauchen natürlich auch genügend Feedback. Damit das Ganze nicht zerfasert und sich zu lang hinzieht, ist eine Zeit von gut zwei Wochen meiner Meinung nach ein reeller Rahmen. In unserem Fall haben wir in der Zeit zwei Feedbackschleifen eingebaut – einmal von der Dozierendenseite und einmal bekommen die Studierenden durch ihre Kommiliton*innen Feedback. Das ist ein System, das sich auch in Präsenz bewähren wird.

BS: Haben sich deine Erwartungen an den Qualitätsfonds in der Hinsicht erfüllt?

MB: Ich finde den Qualitätsfonds sehr gut, weil es eine niedrigschwellige Fördermaßnahme ist. Außerdem gibt es einen Austausch mit anderen Dozierenden, sodass man voneinander lernen kann. Man muss in der Lehre ja nicht jedes Mal das Rad neu erfinden, je nach Problemlage lassen sich bestimmte Kniffe anderer Lehrpersonen einfach übernehmen und dafür ist der Qualitätsfonds mit dem Austausch ja auch da.

Perspektivisch könnte ich mir noch gut vorstellen, dass man eine Datenbank hat, die die Ergebnisse aufbereitet, sodass man auch im Nachhinein alles zur Verfügung hat und sich einen kleinen Schatz aufbaut, auf den auch andere an der Universität zugreifen können.

BS: Was rätst du Studierenden, die an einer hybriden Lehrveranstaltung teilnehmen?

MB: Sie sollten, wenn möglich, den Präsenzanteil, den es gibt, auch nutzen. Ich bin kein „Präsenz-Fetischist“, gerade in der Forschung und bei Forschungskolloquien ist die Digitalität ein Segen, wenn Leute von überall her einen Vortrag diskutieren können, ohne groß reisen zu müssen. Da finde ich das hybride Format auch dank der technischen Ausstattung, die in Bielefeld ja mit den Geräten mustergültig vorhanden ist, wirklich zielführend.

Bei Studierenden kommt es dann darauf an. Hybrid kann wirklich nützlich sein für Personen, die aufgrund einer Isolation nicht an die Uni gehen können oder durch andere Verpflichtungen den Weg nicht auf sich nehmen können. Es gibt dann aber diese Teilung der Kohorte, die für Studierende und Lehrende schwierig ist. Das kann manchmal wie ein „digitaler Katzentisch“ sein. Wenn man allein vor Zoom sitzt, ist man auf sich selbst zurückgeworfen und die Überwindung ist größer, sich zu melden, wenn man mal was nicht versteht. Das Entlastende der Gemeinschaft fehlt. Gerade jungen Studierenden würde ich raten, so viele Präsenzangebote wie möglich wahrzunehmen und das Digitale als tolle Ergänzung zu nutzen, für zusätzliche Gruppentreffen, als Rekapitulation oder als Lösung, wenn man sonst gar nicht teilnehmen könnte.

Weiter fortgeschrittene Studierende im Master haben da schon wieder ganz andere Voraussetzungen. Wenn man dann schon in eingespielten Teams arbeitet und sich untereinander gut kennt, ist es unproblematischer, in den digitalen Raum zu wechseln.

Also: gerade am Anfang, um ein Gefühl für das Studium zu bekommen, auch für die Interaktion mit anderen Studierenden ist es meiner Meinung nach wichtig, die Präsenzangebote wahrzunehmen.

„Gerade jungen Studierenden würde ich raten, so viele Präsenzangebote wie möglich wahrzunehmen“

BS: Was rätst du Lehrkolleg*innen, die ebenfalls hybride Lehrveranstaltungen planen oder digitale Elemente in ihrer Lehrveranstaltung einbinden wollen?

MB: Also digitale Elemente im Sinne der Aktivierung würde ich unbedingt einbinden, wo es geht und didaktisch sinnvoll ist. Die Studienleistung bietet sich dafür einfach sehr an.

Außerdem würde ich versuchen, irgendwie auf dieses Gefälle zwischen Präsenzkohorte und Digitalkohorte zu antworten. Die Digitalkohorte muss anders aktiviert werden, weil die nicht im Hörsaal sitzt. Da muss man sich eine didaktische Herangehensweise überlegen. Man kann es beispielsweise so machen, dass die per Zoom zugeschalteten Studierenden eine extra Begrüßung bekommen, bevor die Vorlesung offiziell beginnt. Dann kann man sie bitten, die Kameras auch kurz anzumachen, was während der Vorlesung nicht bei allen so praktikabel ist. So hat man die Digitalgruppe am Anfang direkt angesprochen und integriert.

BS: Das ist ja direkt ein guter Tipp, den du lieferst! Letzte Frage: Was machst du, um für die Lehre wieder Kraft zu tanken?

MB: Zwei Sachen. Ich koche sehr gerne und das hat für mich auch was mit Wissenschaft zu tun. Wissenschaft ist eigentlich eine Kunst (im Sinne der lateinischen ars). Also jedenfalls die Geisteswissenschaft ist eine Kunst. Die lernt man nicht, indem man bestimmte Techniken und Tools beherrscht und die dann bedienen kann, vielmehr schaut man sich eine fallbezogene Auseinandersetzung mit einem Problem von einem/einer „Meister*in“ an und versucht, das zu adaptieren. Und genauso ist es beim Kochen ja auch, aber es ist ein ganz anderes Feld. Es ist aber sehr viel sinnlicher, man hat das Ergebnis auch viel schneller und es spricht einen dann auch ganz anders an als ein gedruckter Text. Insofern, finde ich, ist Kochen ein sehr, sehr guter Ausgleich. Genauso wie Sport. Ich mache Kraftsport und da denke ich auch oft an die Aufgaben der Studierenden, denn beim Kraftsport gilt die Regel „Progression vor Perfektion“. Man versucht also immer ein Stück weiter zu kommen, ein bisschen mehr Gewicht zu schaffen oder den Bewegungsablauf ein bisschen besser zu koordinieren. Dieses Ethos, dass man die beständige Progression wertschätzen lernt, das möchte ich meinen Studierenden immer wieder vermitteln.

BS: Danke für deine Zeit!

MB: Sehr gerne!

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