» Veröffentlicht am
18. Oktober 2022
"Wir machen das digital" genügt uns nicht: Ein Bericht aus der BiLinked-CoP Inklusionssensible Lehrer*innenbildung
Im Projekt BiLinked
entwickeln und erproben Studierende und Lehrende gemeinsam digitale
Lehr-/Lernformate. Bei der Umsetzung steht die studentische
Partizipation und Kollaboration im Fokus. Marcel Beyer berichtet aus der CoP inklusionssensible Lehrer*innenbildung.
Von Marcel Beyer (BiLinked – CoP inklusionssensible Lehrer*innenbildung)
Auf der technischen Seite erfordert die angestrebte umfassende
Digitalisierung der Bildung sowohl in Hochschulen als auch in Schulen
große Anstrengungen. Mit erheblichem finanziellen Aufwand wird der
Aufbau einer notwendigen technischen Infrastruktur etwa im Rahmen des
"Digitalpakts Schule" durch Bund und Länder forciert. So werden eifrig
Tafeln durch Smart-Boards getauscht, digitale Endgeräte angeschafft,
ISDN-Leitungen weichen einer Breitband-W-LAN-Abdeckung und der gute alte
Overhead-Projektor wird zu einem Stück Zeitgeschichte. Zugegeben,
dieses Bild trifft nur bedingt zu; es gibt erhebliche Unterschiede von
Schule zu Schule und eine Vielzahl an Problemen bei der konkreten
Anschaffung und dem nachhaltigen Einsatz von Technik und Software.
Auf der inhaltlichen Seite stellt sich die Frage nach Risiken und
Potentialen jener Digitalisierung von Bildung. Damit geht es um den
reflektierten Umgang mit den immer solider ausgebauten technischen
Voraussetzungen. Wo sind also die Räume in denen (fachdidaktisch)
reflektiert, solide durchdacht, hinterfragt und (weiter-)entwickelt
wird, wie Lehren und Lernen in einer Kultur der Digitalität gestaltet
werden kann und sollte? Wo werden Konzepte erprobt, die
phasenübergreifend erarbeitet werden? Die CoP Inklusionssensible
Lehrer*innenbildung des BiLinked-Projekts (weitere Infos in diesem Blogbeitrag),
in der Lehramtsstudierende, Fachdidaktiker*innen und Lehrkräfte
zusammenkommen, ist ein solcher Ort. Nach dem erfolgreichen Bestehen der
Pilotphase und einer tiefen Einarbeitung der sieben Fachdidaktiken in
die Materie wurde schnell klar: Die inhaltliche Seite der
Digitalisierung von Schul- und Hochschulbildung – oder besser einer
Bildung im Kontext von Digitalität – hinkt der technischen Seite
deutlich hinterher.
Über den Einsatz von Tools hinausgehen
Welchen Mehrwert bietet Technik für Bildung? Wie können Medien als Werkzeuge sinnvoll eingesetzt werden? Dies sind Fragen, die nicht
im Zentrum unserer Auseinandersetzung stehen. Auch wenn wir diese
verhandeln, sind es schlicht nicht die richtigen Fragen für die
anstehenden Herausforderungen, wie ein Einblick in das letzte
CoP-Treffen zeigt. Dabei haben wir auf Basis der vorhandenen
interdisziplinären Expertise (allgemeindidaktisch und auf Basis der
beteiligten Fachdidaktiken: Biologie, Deutsch als Fremd- und
Zweitsprache/Mehrsprachigkeit, Mathematik, Musik, Sachunterricht,
Sozialwissenschaften und Sport) erörtert, welche Fragen überhaupt zu
stellen sind und welche Konsequenzen das für unsere Arbeit hat. Kritisch
diskutiert und weitergedacht haben wir hierbei die Argumentationslinie
Axel Krommers (Link
zum Weiterlesen). Mit Bezug auf Felix Stalders Konzept einer Kultur der
Digitalität skizziert Krommer die Leitmedientransformation vom
Paradigma der Typografie hin zu einem Paradigma der Digitalität. Knapp
und unvollständig umrissen fußt jene Digitalität auf:
- Referentialität
(Gemeint ist die Beteiligung von immer mehr Menschen an kulturellen
Prozessen beispielsweise im Internet. Hierbei kommt es zu einer Erosion
etablierter Ordnungsstrukturen. Eine Vielzahl an Informationen muss vom
Individuum gefiltert werden: etwa das Wesentliche vom Unwesentlichen,
das Relevante vom Irrelevanten und Wahres von Falschem.)
- Gemeinschaftlichkeit
(Individuell und in Gemeinschaft geht es darum der Flut an
Informationen zu begegnen und Orientierung zu stiften. Beispiele hierfür
sind soziale Netzwerke.)
- Algorithmizität (Referentialität
und Gemeinschaftlichkeit sind auf die Ordnungswirkung von Algorithmen
angewiesen. Gleichsam gilt es die Grundlagen und die Wirkungsweisen von
Algorithmen einzuordnen. Ein Beispiel hierfür ist die
Verkehrsmittelentscheidung anhand von Google-Maps.)
Von
Axel Krommers Argumentation ausgehend, sind in einem solchen Sinne
Medien weniger als neutrale Werkzeuge mit einem Mehrwert für Bildung zu
betrachten. Vielmehr soll es darum gehen, wie Medien Kultur und
Gesellschaft prägen. Eine solche Pädagogik mit Technik stellt sich
zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und bindet diese in
Lehr-Lernkontexte ein. Dabei können natürlich Tools wie Kahoot, Padlet
und Co. eingesetzt und erprobt werden. Deren dienende Wirkung für
Bildung soll auch gar nicht bestritten werden.
Das Fazit unserer Runde: Wenn Bildung im Rahmen einer Kultur der
Digitalität bestehen will, muss ein größeres Bild für die Schul- und
Hochschulbildung gezeichnet werden. Wir als CoP machen uns auf, daran
tatkräftig zu arbeiten. Dabei können wir aus einer Vielfalt an
Perspektiven für bezugswissenschaftliche und fachdidaktische Fragen
schöpfen.
Sie sind daran interessiert wie mit dieser Herausforderung in
unterschiedlichen fachlichen Zugriffen umgegangenen werden kann, welche
Besonderheiten bestehen und was daraus zu folgern ist? Dann können Sie
sich auf den nächsten Blog-Beitrag mit den unterschiedlichen Zugängen
der CoP-Beteiligten freuen.
Hier geht es zum BiLinked-Projekt.
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