Rechtswissenschaft
EU fördert internationales Forschungsnetzwerk zu Steward Ownership
Die Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld ist maßgeblich an einem neu bewilligten europäischen Forschungsnetzwerk zum Thema Steward Ownership beteiligt. Prof'in Dr. Anne Sanders und Prof. Dr. Simon Kempny wirken gemeinsam mit der Soziologin Dr. Mareike Reimann sowie den Promovierenden Nina Berenbrinker, Tim Bühring, Elisabeth Pichler und Ben Reinold am Netzwerk „StONe – Steward Ownership Network“ mit. Das Vorhaben wird im Rahmen des europäischen Förderprogramms COST (European Cooperation in Science and Technology) über vier Jahre wird mit Mitteln von rund 690.000 Euro für die gemeinsamen Vernetzungsaktivitäten unterstützt und bringt Forschende sowie Praxisvertreter*innen aus 24 Ländern zusammen.
Am 19. Mai 2026 bestätigte das Entscheidungsgremium von COST die Förderung von 80 neuen Forschungsnetzwerken. Eines davon ist STONE. Der Antrag wurde von Prof. Dr. Carolina Cunha von der Universität Coimbra (Portugal) als Hauptantragstellerin eingereicht und geht auf die enge Zusammenarbeit eines internationalen Kernteams zurück. Neben Cunha gehören dazu Prof. Dr. Alessio Bartolacelli (Universität Modena, Italien), Prof. Dr. Florian Möslein (Universität Wien, Österreich) und Prof'in Dr. Anne Sanders von der Universität Bielefeld. Die Bewilligung ist ein besonderer Erfolg, denn in der aktuellen Ausschreibungsrunde lag die Erfolgsquote bei lediglich sieben Prozent.
Im Mittelpunkt des Netzwerks steht das Konzept des Steward Ownership. Dabei werden Gewinnrechte und Kontrollrechte eines Unternehmens getrennt, um langfristiges und zweckorientiertes Unternehmertum zu fördern. Das Modell knüpft an europäische Traditionen wie Unternehmensstiftungen an und wird als möglicher Ansatz für Herausforderungen wie kurzfristige Unternehmensstrategien, Vermögensungleichheit oder Nachfolgefragen in Familienunternehmen diskutiert.
StONe verfolgt einen interdisziplinären Ansatz und vereint Expertise aus Rechtswissenschaft, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Philosophie und Politikwissenschaft. Ziel ist es, die rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen von Steward Ownership in Europa zu untersuchen. Dazu sollen unter anderem Rechtsordnungen verglichen, Governance- und Finanzierungsmodelle analysiert sowie rechtliche Instrumente und Modellregelungen entwickelt werden.
Besondere Expertise aus Bielefeld
Die Universität Bielefeld bringt auf diesem Gebiet rechtswissenschaftliche Kompetenz ein. Prof'in. Dr. Anne Sanders und Prof. Dr. Simon Kempny sind an der Diskussion über die mögliche Einführung einer entsprechenden Rechtsform in Deutschland beteiligt, die auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung aufgegriffen wird. Zudem forscht Anne Sanders derzeit als Visiting Scholar an der Harvard Business School zu Steward Ownership.
Neben Sanders und Kempny sind mit Dr. Mareike Reimann von der Soziologie sowie den rechtswissenschaftlichen Promovierenden Nina Berenbrinker, Tim Bühring, Elisabeth Pichler und Ben Reinold weitere Bielefelder Wissenschaftler*innen Teil des Netzwerks.
Internationale Zusammenarbeit über Fachgrenzen hinweg
Insgesamt vereint der Antrag 129 Beteiligte aus 24 Ländern, darunter 20 europäische Staaten sowie Australien, Kanada, Chile und die USA. Vertreten sind Wissenschaft, Unternehmen, Non-Profit-Organisationen und internationale Institutionen. Fast die Hälfte der Teilnehmenden sind Frauen und Männer, die Differenz bilden Personen, die sich nicht binär definieren, 59 Mitglieder sind jünger als 40 Jahre.
Das Netzwerk legt besonderen Wert auf internationale Zusammenarbeit und die Förderung von Nachwuchswissenschaftler*innen. In den kommenden vier Jahren sollen Forschungsergebnisse erarbeitet und Handlungsempfehlungen für Politik und Praxis entwickelt werden.
Was ist COST?
COST (European Cooperation in Science and Technology) fördert europaweite Forschungs- und Innovationsnetzwerke. Die sogenannten COST Actions laufen über vier Jahre und unterstützen insbesondere den wissenschaftlichen Austausch, gemeinsame Veranstaltungen, Forschungsaufenthalte und den Aufbau internationaler Kooperationen.
Mit der Förderung von StONe kann die Universität Bielefeld ihre Expertise im Bereich Steward Ownership in einem internationalen Verbund weiter ausbauen und die wissenschaftliche Diskussion über zukunftsfähige Unternehmensformen aktiv mitgestalten.