Soziologie
Neues Paper von Sebastian Sattler zu chronischen Rücken- und Kopfschmerzen in der arbeitenden Bevölkerung
Chronische Schmerzen stellen eine erhebliche individuelle, berufliche und gesellschaftliche Belastung dar. Ein neues Paper von Sebastian Sattler (Universität Bielefeld), Nadine Baumann und Giulia Zerbini (beide Universität Augsburg) untersucht die Verbreitung, Symptomschwere und damit verbundene Belastungen chronischer Rücken- und Kopfschmerzen in der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland. Die Studie analysiert zudem, welche demografischen und psychosozialen Faktoren mit dem Auftreten und der Schwere chronischer Schmerzen zusammenhängen.
Datengrundlage ist eine bundesweite Befragung von 4.751 Erwerbstätigen. Als chronisch wurden Rücken- und Kopfschmerzen definiert, wenn sie wiederholt auftraten oder innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens drei Monate andauerten. Erfasst wurden sowohl die Symptomschwere als auch die mit den Schmerzen verbundene Belastung. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Prävalenz: 34,4 % der Befragten berichteten milde, 25,1 % moderate und 13 % (sehr) schwere chronische Rückenschmerzen. Bei Kopfschmerzen lagen die Anteile bei 35,6 % (mild), 20,1 % (moderat) und 10,8 % ((sehr) schwer). Auch wenn die Mehrheit milde Symptome angab, verdeutlichen die insgesamt hohen Prävalenzen die Relevanz chronischer Schmerzen im Erwerbskontext.
Als stärkste und konsistenteste Korrelate erwiesen sich Geschlecht, Schlafprobleme und Burnout-Symptome: Sie standen mit allen untersuchten Schmerzindikatoren in Zusammenhang. Auch das Alter war signifikant mit der Symptomschwere beider Schmerzarten assoziiert. Weitere Faktoren wie Bildung, Haushaltsnettoeinkommen, berufliche Position, Schichtarbeit, Optimismus oder soziale Unterstützung zeigten dagegen nur selektive Zusammenhänge mit einzelnen Schmerzindikatoren.
Die Befunde legen nahe, dass chronische Rücken- und Kopfschmerzen in der arbeitenden Bevölkerung möglicherweise weiter verbreitet und belastender sind als bislang angenommen. Sie unterstreichen die Notwendigkeit umfassender Präventions- und Interventionsstrategien, die biologische und psychosoziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Insbesondere Schlafprobleme und Burnout erscheinen als potenziell modifizierbare Ansatzpunkte für zukünftige prospektive oder interventionelle Studien. Ein vertieftes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen könnte dazu beitragen, gezielte Maßnahmen zur Reduktion chronischer Schmerzen und ihrer gesundheitlichen sowie gesellschaftlichen Folgekosten zu entwickeln.
Referenz:
Sattler, S., Baumann, N., Zerbini, G. (2026): Chronic back pain and headaches in a nationwide study of the working population in Germany: Prevalence, symptom severity, associated burden, and related demographic and psychosocial factors. Journal of Health Psychology. https://doi.org/10.1177/13591053261437575