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Gewalt im Gesundheitswesen: Ursachen und Präventionsstrategien
In einem aktuellen Interview mit forum – Das Magazin des Medizinischen Dienstes sprach Prof. Dr. Andreas Zick über die Zunahme von Gewalt im Gesundheitssektor. Zick betont, dass Gewalt vor allem dort auftritt, wo bereits ein hohes Hasspotenzial besteht und präventive Maßnahmen fehlen. Gesellschaftliche Entwicklungen spielen eine zentrale Rolle: Die Akzeptanz von Gewalt als Mittel zur Interessendurchsetzung sei gestiegen, was sich auch in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zeige.
Als Gründe nennt Zick mehrere Faktoren: den Verlust gesellschaftlichen Zusammenhalts, prekäre Lebensverhältnisse und strukturelle Probleme wie Personalmangel und Zeitdruck in medizinischen Einrichtungen. Zudem wirke Gewalt oft generationsübergreifend – wer selbst Gewalt erfahren habe, wende sie eher an. Auch psychologische Aspekte wie Stress oder Gruppenzugehörigkeiten (etwa bei „Wutbürgern“) begünstigten aggressives Verhalten. Ein weiteres Problem sei die Wahrnehmung des Gesundheitssystems als reine Dienstleistung, bei der Patienten ihre Forderungen notfalls mit Gewalt durchsetzen.
Prävention erfordere laut Zick umfassende Sicherheitskonzepte, Schulungen in Deeskalation und eine bessere Personalausstattung. Wichtig sei auch Zivilcourage: Mitarbeiter und Besucher müssten lernen, Warnsignale zu erkennen und angemessen zu handeln. Zick plädiert dafür, Gesundheitseinrichtungen als soziale Orte zu stärken, an denen Kommunikation und Respekt im Vordergrund stehen. Nur so könne der gesellschaftlichen Spaltung und der Eskalation von Gewalt entgegengewirkt werden.
Das vollständige Interview finden Sie hier.