IKG Blog
30 Jahre IKG – Forschung, die gesellschaftliche Konflikte sichtbar macht
Seit drei Jahrzehnten widmet sich das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld der Frage, wie Konflikte entstehen, wie Menschenfeindlichkeit gesellschaftlich wirksam wird und welche Folgen Extremismus, Diskriminierung und Gewalt für Demokratien haben.
Am 28. Mai 2026 feierte das IKG sein 30-jähriges Bestehen in der Rudolf-Oetker-Halle in Bielefeld – gemeinsam mit Forschenden, Wegbegleiter*innen, Partnerinstitutionen und Unterstützer*innen.
Gegründet wurde das Institut 1996 von dem Soziologen und Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer. Seit 2013 leitet Prof. Dr. Andreas Zick das Institut als Direktor. Was einst als Forschungsprojekt begann, hat sich über die Jahre zu einer der wichtigsten Einrichtungen für Konflikt- und Gewaltforschung in Deutschland entwickelt.
Heute arbeiten rund 80 Wissenschaftler*innen am IKG. Die Forschung reicht von Rechtsextremismus, Radikalisierung und Terrorismus bis hin zu gesellschaftlichem Zusammenhalt, Migration, Diskriminierung, Erinnerungskultur und Konfliktbearbeitung. Viele der am Institut entwickelten Konzepte prägen inzwischen öffentliche Debatten, politische Strategien und wissenschaftliche Diskurse weit über die Universität Bielefeld hinaus.
Besonders bekannt wurde das IKG durch Langzeitstudien wie „Deutsche Zustände“ und die seit 2014 erscheinenden „Mitte-Studien“. Diese Untersuchungen analysieren demokratiegefährdende und menschenfeindliche Einstellungen innerhalb der Gesellschaft und machen sichtbar, wie sich politische Stimmungen über Jahre verändern.
Die jüngste Studie „Die angespannte Mitte“ 2024/25 zeigt dabei eine gesellschaftliche Entwicklung, die viele Demokratien derzeit beschäftigt: wachsendes Misstrauen gegenüber demokratischen Institutionen und Wahlen bei gleichzeitig klarer Ablehnung rechtsextremer Einstellungen durch große Teile der Bevölkerung.
Mit der 2024 gegründeten ConflictA entstand zudem die erste universitäre Konfliktakademie Deutschlands. Sie verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischer Konfliktbearbeitung und untersucht unter anderem, welche gesellschaftlichen Konflikte Menschen in Deutschland aktuell als besonders belastend wahrnehmen.
Neben Forschung versteht das IKG auch den Wissenstransfer als zentrale Aufgabe. Formate wie der „Peace & Conflict Talk (PaCT)“, der Podcast „Konfliktgespräche“ oder das Open-Access-Journal „International Journal of Conflict and Violence“ bringen wissenschaftliche Perspektiven in öffentliche Debatten ein und schaffen Räume für interdisziplinären Austausch.
Zum 30-jährigen Jubiläum blickt das Institut nicht nur auf seine Geschichte zurück, sondern auch auf zukünftige Herausforderungen. In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, wachsender Unsicherheiten und globaler Krisen bleibt die wissenschaftliche Analyse von Konflikten und Menschenfeindlichkeit wichtiger denn je. Oder, wie Institutsdirektor Prof. Dr. Andreas Zick betont: „Menschenfeindlichkeit und Extremismus destabilisieren die Demokratie, wenn sie in der Mitte der Gesellschaft ankommen.“
Ein besonderer Dank gilt allen Menschen, die das IKG in den vergangenen 30 Jahren mit ihrer Arbeit, ihrem Engagement und ihrer Expertise geprägt haben: den wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, SHKs und WHKs, Doktorand*innen, Professor*innen und Forschenden ebenso wie den Mitarbeitenden aus Verwaltung und Sekretariat sowie allen weiteren Kolleg*innen, Unterstützer*innen und Partner*innen im Hintergrund. Ihre tägliche Arbeit macht die Forschung, den Austausch und die Weiterentwicklung des Instituts überhaupt erst möglich.
Auch die Universität Bielefeld hat dem Jubiläum des IKG einen eigenen Beitrag gewidmet.