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In zehn Minuten zum virtuellen Zwilling
Projekt des Exzellenzclusters CITEC beschleunigt Avatar-Erzeugung
Avatare
– virtuelle Personen – sind ein Kernelement von ICSpace, dem virtuellen
Fitness- und Bewegungsraum am Exzellenzcluster Kognitive
Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld. Das System
ermöglicht, Bewegungsabläufe einzuüben und zu verbessern, indem es
individuelles Feedback in Echtzeit gibt. Verkörpert wird das System
durch einen virtuellen Menschen, der als Trainer agiert. Zusätzlich
sehen sich die Nutzerinnen und Nutzer selbst als Avatar – als virtuelle
Kopie von sich im Spiegel des virtuellen Raums. Bislang dauerte die
Erstellung solcher personalisierter Avatare mehrere Tage. Jetzt haben
die CITEC-Forscher ein beschleunigtes Verfahren entwickelt.
Die resultierenden virtuellen Menschen können detailliert animiert werden: Sie können alle Gelenke bewegen, bis hin zu einzelnen Fingern, und über Gesichtsausdrücke, Sprache und Gesten kommunizieren.
„Wichtigstes Merkmal ist aber,
dass sie den Benutzer fotorealistisch widerspiegeln“, sagt Botsch. Denn
personalisierte Avatare werden von den Nutzerinnen und Nutzern deutlich
besser akzeptiert. Das zeigt eine Studie, die die Computergrafiker aus
Bielefeld in Kooperation mit Professor Dr. Marc Latoschik von der
Universität Würzburg durchgeführt haben. „Die Untersuchung zeigt, dass
sich die Nutzerinnen und Nutzer besser mit solch einem maßgeschneiderten
Avatar identifizieren als mit einem Avatar, der ihnen nicht ähnelt,
selbst wenn er ähnlich realistisch aussieht“, sagt Latoschik, der in
Würzburg den Lehrstuhl für Mensch-Computer-Interaktion leitet.
Für die aktuelle Studie hat sein Team Algorithmen entwickelt, die die komplette Verarbeitung der Fotodaten bis hin zum animierbaren Avatar beschleunigen. „So können wir jetzt innerhalb von zehn Minuten den Avatar einer beliebigen Person erzeugen“, sagt Jascha Achenbach, Erstautor der daraus entstandenen Publikation. „Die virtuellen Avatare legen wir in einem Format an, wie es auch von der Computerspiele-Industrie genutzt wird“, berichtet Thomas Waltemate, der wie Achenbach in Botschs Forschungsgruppe arbeitet. Das mache das Verfahren auch für die kommerzielle Nutzung interessant.
Ihre Entwicklung der beschleunigten Avatar-Generierung haben die Wissenschaftler vor einem Monat in Göteborg (Schweden) auf der renommierten Konferenz „ACM Symposium on Virtual Reality Software and Technology“ vorgestellt. Die Studie dazu, wie die personalisierten Avatare von Nutzerinnen und Nutzern akzeptiert werden, stellen sie im Frühjahr 2018 auf der weltweit führenden Konferenz zu Virtueller Realität vor, der „IEEE Conference on Virtual Reality and 3D User Interfaces“.
Sechs Forschungsgruppen des Exzellenzclusters CITEC haben die virtuelle
Trainingsumgebung ICSpace gemeinsam entwickelt. ICSpace steht für
„Intelligent Coaching Space“ (Intelligenter Coaching-Raum). Das System
analysiert die Bewegungsausführung von Sportlern und Reha-Patienten und
hilft, diese zu korrigieren. Es basiert auf einem offenem Raum mit Front
und Boden als Projektionswand, bekannt als CAVE (Cave Automatic Virtual
Environment, deutsch: Höhle mit automatisierter, virtueller Umwelt).
Die CAVE ermöglicht, eine begehbare computergenerierte virtuelle
Umgebung zu simulieren. Testpersonen tragen ähnlich wie im Kino eine
3D-Brille. Weltweit einmalig an dem System ist, dass es den kompletten
Trainingsprozess umsetzt und sich flexibel an das Verhalten des Nutzers
anpasst. Mario Botsch leitet das Projekt zusammen mit dem Informatiker
Professor Dr. Stefan Kopp und dem Sportwissenschaftler und
Kognitionspsychologen Professor Dr. Thomas Schack.
ICSpace ist
eins von vier CITEC-Großprojekten. Der Exzellenzcluster CITEC fördert
das Projekt bis Ende 2017 mit insgesamt 1,6 Millionen Euro. Die weiteren
Projekte sind das Roboter-Service-Apartment, der Laufroboter Hector und
das Greif-Lern-System „Famula“. CITEC wird bis Ende 2018 als Teil der
Exzellenzinitiative von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im
Auftrag von Bund und Ländern gefördert (EXC 277). In der neuen
Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder bewirbt sich die
Universität Bielefeld um einen Cluster, der auf der Forschung des
derzeitigen Exzellenzclusters CITEC aufbaut.
Weitere Informationen:
• „Intelligent Bewegung trainieren in der virtuellen Realität“ (Pressemitteilung vom 11.02.2016): http://bit.ly/2CjpT6k
• Beitrag zu ICSpace bei research_tv: https://youtu.be/WDZ4Zgv_wzQ