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uni.aktuell-Archiv
Veröffentlicht am
10. Februar 2014
Kategorie:
Forschung & Wissenschaft
HIV und andere Viren per Lasermikroskop beobachten
Universität Bielefeld schafft Untersuchungsgerät an
Das
neue Lasermikroskop der Universität Bielefeld kann sogar Viren
abbilden. Seine Auflösung reicht für Untersuchungsobjekte aus, die bis
zu 100 Nanometer klein sind – das entspricht der Größe solcher
Krankheitserreger. Rund eine Million Euro hat das neue Gerät gekostet.
Mit dem hochauflösenden Weitfeldmikroskop untersucht die Arbeitsgruppe
„Biomolekulare Photonik“ der Fakultät für Physik künftig
Transportprozesse und Signalübertragungen in lebenden Zellen. Ein
Schwerpunkt liegt darauf, zu erforschen, wie sich die Viren der
Immunkrankheit Aids im Körper ausbreiten.
Prof.
Dr. Thomas Huser und die Doktorandin Viola Mönkemöller verfolgen mit
dem neuen Mikroskop Prozesse in der Nanowelt. Foto: Universität
Bielefeld
Das neue Mikroskop soll auch die Forschung zur Übertragung von HIV im Körper voranbringen. „Obwohl man den Erreger von Aids, das HI-Virus, schon seit fast 30 Jahren kennt, konnte bis heute noch keine effektive Schutzimpfung entwickelt werden. Dies liegt sowohl an der Wandlungsfähigkeit des Virus als auch daran, dass es vielfältige Übertragungswege auf zellulärer Ebene gibt, deren Bedeutung teils unterschätzt wurde“, erklärt Huser.
Zusammen mit dem Biologen Dr. Wolfgang Hübner und weiteren Mitarbeitern beobachtet er, wie es dem HI-Virus in der infizierten Zelle gelingt, Immunzellen umzuprogrammieren und andere Zellen im Körper anzustecken. „Wir betreiben Grundlagenforschung – das heißt, wir entwickeln Methoden, um grundlegende Prozesse auf submikroskopischer Skala in lebenden Zellen zu verfolgen und zu analysieren. Wenn wir zum Beispiel herausfinden, wie die Übertragung der Viren genau abläuft, können Mediziner und Biologen mit diesen Informationen weiterarbeiten und daraus Therapien entwickeln.“ Die direkte Übertragung des Virus von infizierten auf nichtinfizierte Zellen wird mit dem Mikroskop ab Ende 2014 in einem speziell ausgerüsteten Labor im Neubau der Experimentalphysik untersucht. Auch andere biomedizinische Fragen, die zum Beispiel die Funktionsweise der Leber betreffen, sollen auf mikroskopischer Skala untersucht werden. „Diese Fragestellungen lassen sich nur interdisziplinär lösen, indem Physiker neue Methoden entwickeln und dann mit Biologen und Medizinern zusammenarbeiten“, sagt Huser.
Das
neue Mikroskop stellt Zellen und Viren hochauflösend dar. Die linke
Aufnahme der Membran einer Krebszelle wurde mit einem konventionellen
Mikroskop erstellt. Erst in der Aufnahme mit dem neuen Lasermikroskop
(rechtes Bild) werden die Details erkennbar, zum Beispiel im zellulären
Skelett (grün). Fotos: Universität Bielefeld
Finanziert wurde das neue Gerät anteilig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Universität Bielefeld.
Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Huser, Universität Bielefeld
Fakultät für Physik
Telefon: 0521 106-5451
E-Mail: thomas.huser@physik.uni-bielefeld.de