Rechtswissenschaft
Wie soll Wohnen bezahlbar bleiben? Prof. Dr. Markus Artz beim Deutschen Juristentag
Wie kann bezahlbarer Wohnraum gesichert und das Mietrecht zukunftsfähig gestaltet werden? Diese Fragen standen vom 15. bis 18. September 2026 beim 75. Deutschen Juristentag in Erfurt im Mittelpunkt. Mit seinem Gutachten lieferte Professor Dr. Markus Artz, Inhaber des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Europäisches Privatrecht, Handels- und Wirtschaftsrecht sowie Rechtsvergleichung, eine maßgebliche Grundlage für die fachliche Auseinandersetzung. Studierende der Fakultät für Rechtswissenschaft nutzten den Kongress, um die wissenschaftliche und rechtspolitische Arbeit an der Weiterentwicklung des Rechts aus nächster Nähe kennenzulernen.
Der Deutsche Juristentag gehört zu den bedeutendsten Foren für die wissenschaftliche und rechtspolitische Auseinandersetzung mit der deutschen Rechtsordnung. Alle zwei Jahre kommen mehrere Tausend Juristinnen und Juristen zusammen, um geltendes Recht kritisch zu prüfen, Reformbedarfe auszuloten und Vorschläge für die Weiterentwicklung des Rechtssystems zu diskutieren. Die Empfehlungen des Kongresses haben wiederholt wichtige rechtspolitische Impulse gesetzt.
Beim 75. Deutschen Juristentag widmete sich die Fachabteilung Zivil- und Sozialrecht der Frage, wie bezahlbares Wohnen besser gewährleistet werden kann. Grundlage der Beratungen war das Gutachten von Professor Dr. Markus Artz und Professor Dr. Arnold Lehmann-Richter von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Unter dem Titel „Wohnen für Alle“ analysierten die Autoren den Reformbedarf im Wohnraummietrecht und untersuchten, welche rechtlichen Änderungen sowie ergänzenden Organisations- und Fördermodelle dazu beitragen können, den Zugang zu bezahlbarem Wohnraum zu verbessern.
Rechtswissenschaft im direkten Austausch erleben
Für die Studierenden der Fakultät war die Teilnahme am Kongress zugleich Teil eines Seminars unter Leitung von Prof. Dr. Markus Artz, Prof. Dr. Florian Jacoby und Prof. Dr. Marie Herberger. Vor Ort konnten sie miterleben, wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Reformvorschläge entwickeln, unterschiedliche rechtliche Positionen gegeneinander abwägen und im fachlichen Austausch um überzeugende Lösungen ringen. Gerade die kontroversen Diskussionen über mögliche Reformen des Mietrechts machten anschaulich, dass Rechtswissenschaft weit über die Analyse geltender Normen hinausgeht: Sie gestaltet die Auseinandersetzung darüber mit, wie Recht auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren und zukunftsfähige Antworten hervorbringen kann.
Auch das Rahmenprogramm eröffnete weitere Perspektiven auf die Verantwortung der Rechtswissenschaft im demokratischen Rechtsstaat. In seiner Abschlussrede sprach Bundespräsident a. D. Dr. h. c. mult. Joachim Gauck über die Bedeutung von Juristinnen und Juristen für den Staat sowie über die Anfeindungen, denen insbesondere die Justiz in sozialen Medien ausgesetzt ist. So verband der Kongress die vertiefte fachliche Beschäftigung mit dem Mietrecht mit grundsätzlichen Fragen zur Rolle des Rechts und seiner Institutionen.