Rechtswissenschaft
Schmitt-Leonardy spricht bei RTL Nord über die wissenschaftliche Aufarbeitung des NSU-Mordes
Im Auftrag der Hamburgischen Bürgerschaft untersucht eine interdisziplinäre Forschungsgruppe die Ermittlungen zum Mord an Süleyman Taşköprü. Im Interview erläutert die Bielefelder Strafrechtlerin die Bedeutung des Projekts und die Herausforderungen beim Zugang zu Ermittlungsakten.
Wie kam es zu folgenschweren Fehleinschätzungen bei den Ermittlungen zum NSU-Mord an Süleyman Taşköprü? Welche organisatorischen und gesellschaftlichen Faktoren trugen dazu bei, dass Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund nicht konsequent verfolgt wurden? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Professorin Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy, Lehrstuhlinhaberin für Strafrecht, Strafprozessrecht und interdisziplinäre Rechtsforschung, gemeinsam mit weiteren Wissenschaftler*innen.
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe arbeitet im Auftrag der Hamburgischen Bürgerschaft die polizeilichen und justiziellen Ermittlungen zum Mord an Süleyman Taşköprü wissenschaftlich auf. Der Hamburger Obst- und Gemüsehändler war am 27. Juni 2001 vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in seinem Geschäft ermordet worden. Beteiligt sind Wissenschaftler*innen der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Bielefeld, der Universität Konstanz und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.
Strukturelle Ursachen von Fehlentwicklungen untersuchen
Im Zentrum des Projekts stehen die organisatorischen und gesellschaftlichen Bedingungen, die zur Entstehung und Verfestigung falscher Ermittlungshypothesen beigetragen haben. Dafür wertet die Forschungsgruppe verfügbare Akten, Dokumente und weitere Quellen aus. Ergänzend sind Befragungen beteiligter Personen vorgesehen. Ziel ist es, die damaligen Ermittlungsentscheidungen nachvollziehbar zu rekonstruieren und strukturelle Defizite zu identifizieren, um daraus Erkenntnisse für die Zukunft zu gewinnen.
Im Interview mit RTL Nord gibt Schmitt-Leonardy Einblicke in die aktuelle Arbeit der Forschungsgruppe. Dabei thematisiert sie auch Schwierigkeiten beim Zugang zu Ermittlungsakten. Insbesondere die Frage, ob eine Einsichtnahme die Ermittlungen gefährden könnte, ist Gegenstand der Auseinandersetzung mit den zuständigen Behörden. Schmitt-Leonardy betont, dass sich die Forschungsarbeit auf rechtskräftig abgeschlossene Verfahren konzentriert. Mögliche Gefährdungen laufender Ermittlungen seien im Detail geprüft worden.
Das vollständige Interview mit Professorin Dr. Charlotte Schmitt-Leonardy ist hier verfügbar.