Abt. Geschichtswissenschaft
Stimmen der Studierenden aus dem Projektseminar „Postkoloniale Erinnerungen“
Ein Seminar, das nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Unsicherheiten, Widersprüche und neue Perspektiven sichtbar macht: So beschreiben Studierende ihre Erfahrungen im Projektseminar.
Für viele bedeutete das Seminar zunächst einen Einstieg in weitgehend unbekanntes Terrain: „Viele Aspekte und Ergebnisse unserer Forschungen und Recherchen waren für uns völlig neu, da wir vor allem mit der Geschichte Kameruns noch nie in Kontakt gekommen waren.“ Insbesondere die Auseinandersetzung mit den Verflechtungen der Regionen Ostkamerun und Ostwestfalen habe zu einem erweiterten Verständnis von Kolonialgeschichte als Teil von Regionalgeschichte geführt.
Zugleich wurde den Studierenden klar, wie komplex die gemeinsame Geschichte ist. Statt einfacher Täter*innen-Opfer-Zuschreibungen rückten Widersprüche und multiperspektivische Deutungen in den Fokus. Diese Offenheit spiegelte sich im gewählten Format wider: Der nonlineare Dokumentarfilm ermöglichte es, unterschiedliche Perspektiven nebeneinander zu stellen und Hierarchisierungen zu vermeiden.
Gerade dieser Anspruch brachte Herausforderungen für die Studierenden mit sich. Technische Herausforderungen, Unsicherheiten im Umgang mit dem Format des nicht-linearen Films und die Frage, ob die Zuschauer*innen alle einzelnen Videos tatsächlich bis zu Ende sehen werden, begleiteten den Arbeitsprozess. Hinzu kamen technische Asymmetrien und interkulturelle Herausforderungen in der Kommunikation mit der Studierendengruppe aus Bertoua, ein gut ausgestattetes BITS in Bielefeld, schwaches Internet in Kamerun, das Kennenlernen der gegenseitigen Kommunikationsstile etc.. Die Bielefelder Studierenden übten Selbstkritik an einer daraus entstehenden Asymmetrie bezüglich der Deutungs- und Entscheidungshoheit des Bielefelder Seminars.
Überwiegend nahmen die Studierenden das Seminar als spannenden Raum für das praktische Arbeiten und das Sprechen über postkoloniale Verflechtungen wahr. Nicht nur bot das Projekt Einblicke in neue Themenfelder, sondern auch die Möglichkeit, wissenschaftliches Arbeiten, internationale Kooperation und innovative Vermittlungsformen praktisch zu erproben.