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Außeruniversitäre Karrierewege
Professor Thomas Welskopp, stellvertretender Direktor der BGHS, begrüßt die Teilnehmenden der Veranstaltung. Foto: Thomas Abel
Was kommt eigentlich nach der Promotion? Wo kann ich später mit meiner Qualifikation arbeiten? Wie finde ich eine Arbeit, die mit dem zu tun hat, wozu ich mal geforscht und studiert habe? Muss ich zur Erfüllung dieser Erwartung im akademischen Betrieb bleiben? Und was wird auf dem außeruniversitären Arbeitsmarkt von mir erwartet? Diese Fragen wurden am 26. April, auf der Veranstaltung „Außeruniversitäre Karrierewege von Geschichts- und SozialwissenschaftlerInnen“ diskutiert. Eingeladen waren nicht nur Mitglieder der BGHS und der Universität, sondern auch Vertreterinnen und Vertreter von außeruniversitären Institutionen.
Das waren im Einzelnen:
• Rafael Barth, freiberuflicher Wissenschaftsjournalist
• Jan Carstensen und Mathis Kleinitz, LWL-Freilichtmuseum Detmold
• Heike Herold, LWL Kulturabteilung
• Helen Müller, Bertelsmann, Bereich Cultural Affairs & Coporate History
• Tomislav Novoselac, Claas Unternehmensarchiv
• Thomas Podranski, Gerda-Henkel-Stiftung
• Kirsten John-Stucke, Kreismuseum Wewelsburg
• Hilde Schaeper, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung
Ziel der Veranstaltung war, sich über außeruniversitäre Karrierewegeauszutauschen und dabei von Personen aus der Praxis zu erfahren, wie dort die Bedingungen aussehen und welche Erwartungen es gibt.
Dr. Hilde Schaeper (DZHW) berichtet über ihren beruflichen Werdegang mit Promotion. Foto: Thomas Abel
Dr. Helen Müller (Bertelsmann) während ihrem Input. Foto: Thomas Abel
Berichte aus der Praxis
Den Anfang für diese Eindrücke konnten bei der Vorstellungsrunde gemacht werden, bei der alle außeruniversitären Gästeeinen Einblick gegeben haben, in welcher Institution sie jetzt tätig sind und wie sie zu ihrer jetzigen Position gelangt sind. Dr. Hilde Schaeper vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung und Dr. Helen Müller, die bei Bertelsmann den Bereich ‚Cultural Affairs und Corporate History‘ leitet, gingen anschließend noch einmal genauer darauf ein, welche Erwartungen an die Arbeit in ihren Unternehmen es gibt und an welchen Stellen die Promotion von Vorteil sein könnte. .
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie viele Bedarf an gegenseitigen Austausch es gibt. Eine rege Debatte über Fragen von Digitalisierung bis Überqualifizierung begann und wurde in der anschließenden Pause noch weitergeführt.
Teilnehmende diskutieren über Erwartungen des außeruniversitären Arbeitsmarktes. Foto: Thomas Abel
Diskussionen im World-Café-Format
Die Diskussionen wurden nach der Pause noch vertieft. Im „World-Cafe“-Format kamen die Teilnehmenden der Veranstaltung in wechselnden Kleingruppen zusammen, um verschiedene Thesen zur Bedeutung einer Promotion für eine außeruniversitäre Karriere zu diskutieren. Die Thesen lauteten im Einzelnen:
1) Zusatzqualifikationen sind wichtiger als das Promotionsthema.
2) Es ist nahezu unmöglich, in außeruniversitäre Berufsfelder hinein zu kommen.
3) Eine geisteswissenschaftliche Promotion qualifiziert in erster Linie für eine Karriere in der Wissenschaft.
4) Außeruniversitäre Arbeit und wissenschaftliche Arbeit passen nicht zusammen.
Ergebnisse der Diskussionen
In der Abschlussdiskussion wurden die Diskussionen, die unter den Teilnehmenden rundum die Thesen entstanden, dann noch einmal vorgestellt.
Der These „Zusatzqualifikationen sind wichtiger als das Thema der Dissertation“ wurde hier weitestgehend zugestimmt. Ausnahmen seien aber Berufe in speziellen Bereichen wie an der Wewelsburg, wo Promotionsthemen mit Bezug auf den Nationalsozialismus bevorzugt werden. Ein weiteres Ergebnis ist, dass der Promotionsprozess selber eine Qualifikation darstellt, diese aber für außeruniversitäre Arbeitgeber in ihre Einzelteile aufgeschlüsselt werden muss.
Für die These, „es ist nahezu unmöglich, in außeruniversitäre Berufsfelder zu kommen“, gab es unter den Diskutierenden kaum Zustimmung. Vielmehr wurde betont, dass das Bleiben an der Universität wesentlich schwieriger ist. Um den Schritt in die außeruniversitäre Umwelt zu erleichtern, ist es laut den Ergebnissen der Gruppe empfehlenswert, schon vor Fertigstellung der Dissertation Kontakte im potentiellen Berufsfeld aufzubauen.
Dass eine geisteswissenschaftliche Promotion in erster Linie für eine Karriere in der Wissenschaft qualifiziert, fand wiederum Zustimmung. Diskutiert wurde vor allem darüber, ob die Promotion dennoch als Statussymbol wichtig ist, weil bei wachsenden Zahlen an Promovierten ein Doktortitel nötig sei um „dazu zu gehören“. Weiterhin fiel den diskutierenden Promovierenden auf, dass der Begriff „Karriere“ eine Form von geplantem Aufstieg bedeutet, den die meisten bisher nicht vor Augen haben.
Die These „Außeruniversitäre Arbeit und wissenschaftliche Arbeit passen nicht zusammen“ wurde sehr schnell abgetan. Allein die Arbeit für Museen wäre ein Gegenbeispiel. Außerdem, so der Eindruck der Diskutierenden, sei die neue Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besser dazu in der Lage, ihre im akademischen Prozess erworbenen Fähigkeiten für die außeruniversitäre Umwelt zu „konvertieren“. Das würde ihnen den Anschluss leichter machen, als er vor Vorgenerationen gewesen ist.
Die erworbenen Qualifikationen wieder „ins Deutsche übersetzen“
Als Synthese aus allen Thesendiskussionen wurde zum Abschluss festgehalten, dass die Herausforderung ist, für eine außeruniversitäre Karriere die Qualifikationen, die durch eine Promotion erworben worden und selbstverständlich erscheinen, in einzelne, „ins Deutsch übersetzte“ Begriffe herunter zu brechen, so dass sie bei den Arbeitgebern im außeruniversitären Bereich auch Anschluss finden.
Die Veranstaltung im WDR 5
In der WDR 5 Sendung Leonardo wurde ebenfalls über die Veranstaltung berichtet. Zu Wort kommen BGHS-Geschäftsführerin Sabine Schäfer, Doktorand Klaus Schröder und Tomislav Novoselac vom Claas Unternehmensarchiv. Der Beitrag beginnt bei Minute 59:50. Link:
[WDR 5 Leonardo mp3]