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Sekretariat, Office, Assistenz: Arbeit im Wandel

Veröffentlicht am 16. März 2023, 00:00 Uhr

Das „Hochschulsekretariat“ ist einer der wenigen Tätigkeitsbereiche an der Universität, in dem bis heute fast ausschließlich Frauen arbeiten. Gleichzeitig ist dieser Bereich einem starken Wandel unterworfen. Die Initiative des Gleichstellungsbüros und des Personalrats nahm das Dezernat Personal und Organisation auf, eine universitätsweite Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, die diesen Wandel der Arbeit im Hochschulsekretariat jetzt genauer in den Blick nimmt. Die Veränderungen sollen sichtbar gemacht und die daraus resultierende Anerkennung ermöglicht werden.

So sah ein Sekretariatsarbeitsplatz an der Universität Bielefeld im Jahr 1981 aus.
So sah ein Sekretariatsarbeitsplatz an der Universität Bielefeld im Jahr 1981 aus.
Studien
In den letzten Jahren hat sich die Arbeit an Hochschulen durch verschiedene Reformen deutlich verändert: der Bolognaprozess, Internationalisierungsstrategien, der Bedeutungszuwachs von Drittmittelfinanzierung, befristete Verträge im wissenschaftlichen Mittelbau, die Verwaltungsmodernisierung und Digitalisierung. Sie alle haben massiven Einfluss auf Inhalte und Bedingungen von Arbeit – in Forschung und Lehre ebenso wie in Hochschulmanagement, Verwaltung und Technik. Hinzu gekommen sind ein exponentieller Zuwachs rechtlicher Regelungen, neue Steuerungsmodelle an Hochschulen und damit einhergehende hochschulinterne Dezentralisierungsprozesse. Von dieser Veränderungsdynamik sind in der Hochschulverwaltung in besonderer Weise die Sekretariatsarbeitsplätze betroffen. „Von ihnen hängt häufig der reibungslose Ablauf der Prozesse insbesondere zwischen den zentralen und dezentralen Bereichen ab, sie stellen sozusagen ein wichtiges Scharnier in dem Bereich Verwaltung und Wissenschaft - zentral und dezentral dar“, heißt es in der unveröffentlichten empirischen Studie „Sekretariatsarbeitsplätze“ aus dem Jahr 2019. Sie wurde vom Gleichstellungsbüro in Auftrag gegeben und untersuchte den Wandel der Arbeit in diesem Bereich. Diese und die vorangegangene breiter angelegte Studie von Banscherus et.al. aus dem Jahr 2017 kamen zu dem Ergebnis, dass im Zuge der strukturellen Veränderungen die Ansprüche und Erwartungen an diese Arbeitsplätze zwar gestiegen sind, „sie bilden sich jedoch nicht in einer Neudefinition des Berufsbildes ab. Es lässt sich ein Bruch zwischen den Arbeitsplatzbeschreibungen einerseits und dem, was Sekretärinnen tatsächlich tun verzeichnen.“ Die Studienergebnisse legen nahe, die Arbeitsplatzbeschreibungen anzupassen und die Vernetzung von Sekretärinnen aktiv zu unterstützen.

Gleichstellungsthema
„Das Berufsbild der Hochschulsekretär*innen ist durch Stereotype belegt und folgt einem Gender Bias. Das heißt, wir verknüpfen unbewusst Eigenschaften und Kompetenzen mit dem Geschlecht und erkennen dann zum Beispiel Service einer Frau weniger als Leistung an. Das führt zu einer nachgewiesenen Verzerrung bei der Bewertung dieser Tätigkeiten und hat Auswirkungen auch auf das Gehalt, so auch im Sekretariatsbereich. Darum handelt es sich hier um ein Gleichstellungsthema“ unterstreicht Alexandra Kühnen, stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Universität Bielefeld. „Das Tätigkeits- und Kompetenzspektrum der Sekretärin ist heute breit und anspruchsvoll und verdient mehr Anerkennung und Wertschätzung. Es ist lange überfällig, dass dieses Berufsbild aktualisiert wird.“

Entwicklung
Im Jahr 2019 organisierte die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten (bukof) an Hochschulen e.V. das erste bundesweite Sekretariatsnetzwerkstreffen in Göttingen. Hieraus entstand die bundesweite Kampagne "Fairnetzt Euch! mit den Hochschulsekretariaten" - und ein Positionspapier der bukof, in dem für das Berufsfeld und den dortigen Handlungsbedarf sensibilisiert wurde. Die anschließend veröffentlichten „Handlungsempfehlungen für mehr Entgeltgerechtigkeit und faire Arbeitsbedingungen in Hochschulsekretariaten“ mit konkreten Tipps zu Umsetzungsmöglichkeiten an den einzelnen Hochschulen übergab die bukof 2021 an die Hochschulrektorenkonferenz.
Mit dem Schwung der bundesweiten Aktivitäten schlossen sich parallel im Jahr 2019 mit Unterstützung des Gleichstellungsbüros, des Personalrates und des Kanzlers Hochschulsekretär*innen unterschiedlicher Fakultäten zusammen und gründeten FairNetzt_Bielefeld! - Das Netzwerk der Hochschulsekretariate. Heute hat das Netzwerk 24 Mitglieder. Es befasst sich in unterschiedlichen Arbeitsgruppen mit berufsfeldbezogenen Themen und organisiert universitätsweite Treffen, Fortbildungen und Gespräche.

 „1. Office Day“ 

FairNetzt! – das Netzwerk der Hochschulsekretariate an der Universität Bielefeld lädt Sekretär*innen am Donnerstag, 23. März, zum 1. Office Day im Universitätshauptgebäude. Von 9 bis 15 Uhr geht es in Workshops um den Wandel der Arbeit, um den Austausch und das Vernetzen untereinander. 84 Interessent*innen haben sich angemeldet.

https://www.uni-bielefeld.de/themen/fairnetzt-bielefeld/ 

 Arbeitsgruppe

Seit 2022 widmet sich eine universitätsübergreifende Arbeitsgruppe der Universität Bielefeld dem „Wandel der Arbeit“ im Hochschulsekretariatsbereich. Der Arbeitsgruppe unter der Leitung des Dezernats Personal und Organisation gehören Verwaltungsleitungen aus Fakultäten und Einrichtungen an ebenso wie die Vertreter*innen der Bereiche Gleichstellung und Personalrat. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, Sekretariatsarbeitsplätze strukturiert anzuschauen und den Wandel der Arbeit hinsichtlich Aufgaben und Bewertung abzubilden. Auch die Berufsbezeichnung Sekretär*in wird - so wie in den Handlungsempfehlungen der bukof angeregt – Gegenstand der Betrachtung.

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