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uni.aktuell-Archiv
Veröffentlicht am
19. November 2009
Kategorie:
Universität & Campusleben
Kommunikation mit Studierenden verbessern!
- Viele Forderungen von protestierenden Studierenden sind in strategischen Überlegungen des Rektorats bereits berücksichtigt
- Professor Dr.-Ing. Gerhard Sagerer: „Wir haben in der Vergangenheit nicht ausreichend informiert.“
- Uni-Gala am 28. November ist abgesagt
In Anbetracht dieser Ereignisse und der bundesweiten Protestaktionen hat das Rektorat heute die Absage der Uni-Gala am 28. November anlässlich des 40jährigen Jubiläums beschlossen. Das Risiko, dass Personen – eine deutliche Minderheit der zumeist friedlichen Protestierenden – die Veranstaltung stören und dabei auch die Sicherheit der Gäste gefährden könnten, wurde als zu groß eingestuft. In Flugblättern, die in der Universität verteilt wurden, wird eine Störung indirekt angekündigt. „Diese Gala hätte ein gesellschaftliches Ereignis für Bielefeld werden sollen – es erschien uns unter den aktuellen Umständen nicht angemessen“, erklärt Rektor Sagerer. „In einer Zeit, in der wir die Gespräche mit den Studierenden intensivieren wollen, ist jede weitere Zuspitzung zu vermeiden. Wir können und wollen die Veranstaltung daher nicht durch Polizei sichern lassen. Ohne diese Unterstützung können wir allerdings nicht für die Sicherheit unserer Gäste garantieren.“ Personen, die Karten bestellt und bereits bezahlt haben, erhalten ihr Geld zurück. Das Rektorat hofft, die Veranstaltung eventuell in einen neuen Rahmen nachholen zu können.
Rektorat nimmt Forderungskatalog der Vollversammlung als Grundlage für Intensivierung der Gespräche mit Studierenden
Aus der Vollversammlung der Studierenden am 11. November ist ein Katalog mit Beschwerden und Forderungen hervorgegangen. Diesen nimmt das Rektorat als Grundlage für einen Diskussionsprozess. Dafür ist für Freitag ein erstes Gespräch mit Vertretern des Allgemeinen Studierendenausschusses, der studentischen Senatoren, des Studierendenparlaments, der Fachschaften sowie aus den Reihen der Teilnehmer der Vollversammlung anberaumt. Ziel ist es, einen Fahrplan für eine Gesprächsreihe zu verabreden. Das Rektorat möchte mit diesem Kreis diejenigen Forderungen und Beschwerden diskutieren, die das Feld „Studium und Lehre“ betreffen und damit im Gestaltungsbereich der Universität liegen. Ebenfalls mit einbezogen in die Diskussion wird eine Liste von Fragen zu diesem Komplex, die während der Audimax-Besetzung durch die Besetzerinnen und Besetzer formuliert und vom AStA überbracht wurden.
„Wir nehmen die Signale aus der Studierendenschaft auf“, so Sagerer. „Damit intensivieren wir die Gespräche, die wir in Gremien und Kommissionen unter der Beteiligung von Studierenden bereits seit längerem führen. Dabei decken sich viele der studentischen Forderungen mit strategischen Überlegungen des Rektorats für Verbesserungen in Studium und Lehre. Wir geben aber zu, dies in der Vergangenheit nicht ausreichend kommuniziert zu haben. Viele Studierende haben offensichtlich den Eindruck, das Rektorat sei an ihren Sorgen nicht interessiert. Das Gegenteil ist der Fall.“ Er verspricht für die Zukunft eine bessere Kommunikation mit den Studierenden.
Universität Bielefeld strebt deutliche Verbesserungen im Bereich Studium und Lehre an
Die Universität Bielefeld war eine der ersten Universitäten in Deutschland, die die Chancen der konsekutiven Studienstruktur erkannt und konsequent den Bologna-Prozess umgesetzt hat. Die Studiengänge sind nahezu vollständig auf Bachelor und Master umgestellt (Ausnahme: Rechtswissenschaft). Bereits das Rektorat unter der Führung von Professor Dr. Dieter Timmermann hatte allerdings Probleme bei der Umsetzung identifiziert und auch Signale aus der Studierendenschaft aufgenommen. 2008 berief Timmermann zwei Projektgruppen ein, die die Probleme aufarbeiten und Vorschläge für Verbesserungen in Studium und Lehre erarbeiten sollten. Unter der Leitung der Prorektoren Professorin Dr. Joanna Pfaff-Czarnecka und Professor Dr. Johannes Hellermann arbeiteten Lehrende und Studierende gemeinsam an den Themen „Qualitätssicherung in Studium und Lehre“ und „BA/MA-Reform“.
Die Leitvorstellung des Rektorat ist den beklagten Verschulungstendenzen deutlich entgegengesetzt: Sie folgt der Idee eines dezidiert wissenschaftlich-akademisch geprägten Studiums, das die Studierenden ins Zentrum rückt, sie zu eigenständigem, „forschenden Lernen“ und wissenschaftlicher Neugier anregt und sie neben dem erforderlichen Wissen mit den grundlegenden reflexiven, analytischen Fähigkeiten und notwendigen Schlüsselkompetenzen ausstattet.
Um diese Leitvorstellung zu erreichen, wurden bereits im Sommersemester 2009 zentrale Ziele identifiziert:
- Reduzierung der Gruppengrößen vor allem in den „interaktiv“ geprägten Veranstaltungsformen wie Seminaren, Übungen, projektförmigen Veranstaltungen und Praktika (hierzu hat die Universität im April 2009 zunächst ein Pilotprojekt mit zwei Fakultäten gestartet, die sukzessive Einbeziehung weiterer Fakultäten ist geplant),
- Stärkung der Selbststudienanteile und bessere Verzahnung von Präsenzlehre und Selbststudienelementen,
- Stärkung der interdisziplinären Gestaltungsmöglichkeiten des Studiums (ein Sechstel des Studiums soll zukünftig für eine individuelle Ausgestaltung geöffnet werden. Dafür stehen dann 30 Leistungspunkte zur Verfügung, was dem Umfang von einem Semester entspricht)
- Etablierung innovativer Lehr- und Lernformen,
- Reduzierung von kleinteiligen Prüfungen und Entwicklung kompetenzorientierter Prüfungsformen,
- Förderung einer studierendenzentrierten, auf hohem Engagement der Lehrenden sowie auf Eigeninitiative und wissenschaftlicher Neugier der Studierenden gründenden Lehr- und Studienkultur,
- weitere Verbesserung der Organisation von Studium und Lehre (dafür wurde ein Projekt zur weiteren Optimierung der Prozesse bei der Lehr- und Raumplanung, Prüfungsverwaltung etc. gestartet, das in eine Zentrale Einrichtung münden soll),
- Aufbau eines stringenten Qualitätsmanagements in der Lehre,
- Internationalisierung
des Studiums und Steigerung der Mobilität (dafür hat das Rektorat ein
umfangreiches Programm verabschiedet).
Diese strategischen Ziele sind konkret bereits eingeflossen in eines der zentralen Projekte des Rektorats unter Sagerer: die Konzeption und Umsetzung einer neuen Studienstruktur. Die Hochschulleitung hat dazu in den vergangenen Wochen intensive Gespräche mit den Fakultäten geführt und diese aufgefordert, die vorgeschlagene Struktur auch mit ihren Studierenden zu diskutieren.
Ziel ist die Konzeption weiterentwickelter BA-Studiengänge auf der Grundlage der neuen Studienstruktur noch im Wintersemester 2009/2010.