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Die fernöstliche Sicht auf das Ich

Veröffentlicht am 23. August 2013, 11:04 Uhr

Literaturwissenschaftliche Tagung der Universität Bielefeld / Kooperation mit Universität in Shanghai

Individualität, Selbstverwirklichung und Autonomie – diese Begriffe stehen für einen Standpunkt, der in den westlich geprägten Teilen der Welt bestimmend ist: Das Ich in seiner subjektiven Perspektive auf die Welt steht im Zentrum. In asiatischen Ländern erscheint die Rolle des Einzelnen hingegen weniger gewichtig. Das Kollektiv ist oftmals Richtschnur, Individuen definieren sich stark über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Westliche Geistes- und Kulturwissenschaften nähern sich heute verstärkt dieser Denkweise an und betonen die Grenzen des subjektorientierten Standpunkts. Literaturwissenschaftler aus Indien, China und Japan diskutieren das Thema mit deutschen Forscherkolleginnen und –kollegen unter dem Titel „Konzepte des Subjekts, Konzepte der Subjektivität: 1800/1900“. Sie tagen von Donnerstag bis Samstag, 29. bis 31. August, im Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) der Universität Bielefeld. Ein Höhepunkt am ersten Tag der Konferenz ist die offizielle Eröffnung der Kooperation der Universität Bielefeld mit der Shanghai International Studies University (SISU).

Veranstalter der Tagung ist Professor Dr. Wolfgang Braungart von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft der Universität Bielefeld. Über Jahre hat er enge Kooperationen in Forschung und Lehre mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Indien, China und Japan aufgebaut. Auf der Tagung holt der Literaturwissenschaftler seine asiatischen Kolleginnen und Kollegen erstmals an einem Ort zusammen.

Der Gegensatz von Subjekt und Kollektiv ist ein andauerndes Thema Braungarts in den Diskussionen mit seinen Kollegen. „In Asien haben Einflüsse von Hinduismus, Buddhismus und Islam das Denken stark geprägt“, sagt Braungart. „Die Vorstellung des Menschen als autonomes Individuum stammt demgegenüber aus der jüdisch-christlichen Tradition.“ Für viele seiner asiatischen Kollegen sei diese Vorstellung noch immer eine große Herausforderung. „Auf der Konferenz befassen wir uns deshalb mit der Frage: Was taugt diese Idee des Subjekts aus indischer, japanischer und chinesischer Sicht?“
Die Tagung wendet sich besonders den historischen Phasen um 1800 und 1900 zu. So hält Professorin Dr. Barbara Potthast von der Universität Stuttgart einen Vortrag über den deutschen Dichter Max Dauthendey (1867 bis 1918), dessen Romane teilweise in Fernost spielen. Er schrieb: „Jedes echten edlen Japaners Ich ist das All.“ Professorin Dr. Rosy Singh von der University of Delhi spricht über Rainer Maria Rilke und seine Darstellung des Religionsstifters Buddha – eines von Rilkes Gedichten heißt „Buddha in der Glorie“. Auch um Analysen von Liebesbriefen bekannter deutscher Schriftsteller wie Theodor Fontane (1819 bis 1898) und Hugo von Hofmannsthal (1874 und 1929) geht es. Professorin Dr. Jin Yang von der Shanghai International Studies University hat untersucht, wie das Subjekt in den Briefen dargestellt wird, und stellt ihre Befunde auf der Tagung vor.

Die Kooperationsvereinbarung mit der Shanghai International Studies University wird am Donnerstag, 29. August, um 18.30 Uhr unterzeichnet. Für die Zukunft sind unter anderem der Austausch von Forscherinnen und Forschern zwischen der chinesischen Hochschule und der Universität Bielefeld geplant. Auch gemeinsame Forschungsprojekte sind vorgesehen.  Sie werden sich mit dem Zusammenhang von Ästhetik, Religion und Modernisierung befassen.

Weitere Informationen im Internet:
www.uni-bielefeld.de//lili/studium/faecher/literaturwissenschaft/download/Asien_Tagung_Flyer-neu.pdf

Tagungszeiten:
Beginn: Donnerstag, 29. August, 9 Uhr
Ende: Samstag, 31. August, ca. 13 Uhr

Die Tagung wird auf Deutsch abgehalten und ist öffentlich. Medienvertreter sind herzlich eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten.

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