Abt. Geschichtswissenschaft
Workshop "Postkoloniale Erinnerungen" für die Geschichts-Leistungskurse aus Gütersloh
Am 20. Januar 2026 führten Lola Marie Wienberg, Viola von Lochow und Jonas Köllinger, Studierende aus dem Projektseminar „Postkoloniale Erinnerungen zwischen Deutschland und Kamerun / Ostwestfalen und Ostkamerun“, das im Wintersemester 2024/25 und im Sommersemester 2025 stattfand, einen Workshop mit Schüler*innen des Städtischen Gymnasiums Gütersloh im Historischen Museum Bielefeld durch. Teilgenommen haben Schülerinnen und Schüler zweier Geschichts-Leistungskurse, die in dem Workshop einen praxisnahen Einblick in das Geschichtsstudium erhielten. Sie erfuhren, wie die Studierenden, angefangen mit der Recherche, Themen der regionalen Kolonialgeschichte erforscht und in einem Film und eine Ausstellungsintervention übersetzt haben.
Der Workshop war interaktiv angelegt und gliederte sich in zwei parallele Arbeitsphasen. In einer Gruppe setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem sogenannten „Gang vom 19. ins 20. Jahrhundert“ auseinander, der Teil der Dauerausstellung des Historischen Museums ist. In diesem Ausstellungsbereich werden Fotografien und Drucke aus der Zeit um 1900 gezeigt, die historische Umbrüche, aber auch koloniale Perspektiven widerspiegeln sollen. Während des Projektseminars hatten die Studierenden einzelne Ausstellungselemente kritisch kommentiert und insbesondere ihre koloniale Bildsprache und fehlende Kontextualisierung problematisiert. Für den Workshop wurden diese Kommentierungen abgedeckt. Auf dieser Grundlage waren die Schülerinnen und Schüler eingeladen, die ausgestellten Bilder selbst zu analysieren und auf Basis ihres Vorwissens über mögliche Problematiken, Perspektiven und Kontexte zu diskutieren.
Im Anschluss daran lernten sie die in der Dauerausstellung installierte Nische kennen, in der der im Seminar produzierte, non-lineare Dokumentarfilm gezeigt wird. Gemeinsam haben die Leistungskurse Aufbau, Konzept und den historischen Kontext des Films besprochen und in Beziehung zu den zuvor diskutierten Bildern gesetzt. Parallel dazu arbeitete die zweite Gruppe mit historischen Quellen, die die kolonialen Verflechtungen zwischen Ostwestfalen und Ostkamerun sichtbar machen. Dazu gehörten unter anderem Auszüge aus Kolonialzeitungen. Anhand dieser Materialien übten die Schülerinnen und Schüler nicht nur grundlegende Schritte der Quellenkritik, sondern erhielten auch einen vertieften Einblick in die Arbeitsweise von Studierenden im Geschichtsstudium. Sie entwickelten eigene Fragestellungen an die Quellen, diskutierten ihre Entstehungskontexte und reflektierten die darin transportierten Perspektiven und Machtverhältnisse.
Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die gemeinsame Auseinandersetzung mit einseitigen Täter*innen-Opfer-Narrativen, die die Erinnerung an die Kolonialzeit bis heute prägen. Die Schülerinnen und Schüler lernten, diese vereinfachenden Erzählmuster zu hinterfragen und koloniale Geschichten als komplexes Geflecht von Akteur*innen, Interessen und Gewaltverhältnissen zu begreifen. Der Workshop bot damit für die Schülerinnen und Schüler nicht nur einen Einblick in universitäre Arbeitsweisen, sondern förderte zugleich eine kritisch-reflektierte Perspektive auf koloniale Vergangenheit und Erinnerungskultur.