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[Erziehungswissenschaft] Aktuell

Trauer um Prof. Dr. Susanne Thurn

Veröffentlicht am 13. Oktober 2021, 17:29 Uhr

Die Fakultät für Erziehungswissenschaft trauert um

Prof. Dr. Susanne Thurn

* 23. August 1947     † 8. Oktober 2021

Für viele ist der Name von Susanne Thurn untrennbar mit der Laborschule der Universität Bielefeld verbunden. Bereits kurz nach deren Gründung, im Jahr 1978, begann Susanne Thurn die Laborschule zu prägen; von 1990, dem Jahr, in dem Schule und Wissenschaftliche Einrichtung Laborschule organisatorisch getrennt wurden, bis 2013 war sie Leiterin der Schule.

In ihrer Arbeit vereinte Susanne Thurn als Lehrerin und Schulleiterin nicht nur unterschiedliche Praxisperspektiven, sondern führte als Erziehungswissenschaftlerin, Fachdidaktikerin und Fachwissenschaft­lerin für Geschichte auch unterschiedliche wissenschaftliche Zugänge zueinander. Im Dreieck von Erziehungswissenschaft, Didaktik und schulischer Praxis hat sie die Trias von Wissen, Können und Tun vorgelebt.

Auf Susanne Thurn trifft so in besonderem Maße der Begriff der „Lehrer-Forscherin“ zu: Sie hat vielfältige wissenschaftliche Erfahrungen aus vielen Kontexten und unterschiedlichen Disziplinen eingebracht und konnte dadurch wie keine zweite ganz besonders auch biographisch für die Einheit von Praxis und Forschung, von Schule und Wissenschaftlicher Einrichtung und damit für das Lehrer-Forscher-Modell stehen.

Deutlich wurde dies auch, als die Honorarprofessorin der Universität Halle-Wittenberg nach ihrem Ruhestand eine Gastprofessur an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld erhielt. Hier verknüpfte sie den theoretischen Anspruch einer neuen, an partizipativen Formen von Diagnostik und Leistungsbewertung orientierten Lehrer*innenbildung mit der Einbindung von Schüler*innen in die Seminararbeit mit den Studierenden, wodurch überaus lebendige und von wechselseitiger Wertschätzung geprägte Lehrveranstaltungen entstanden.

Unermüdlich war sie in der Öffentlichkeitsarbeit für die Laborschule und deren Ideen, sowohl bei Tagungen, Führungen von Gästen durch die Schule als auch im Reformschulverbund „Blick über den Zaun“. Als überzeugte Reformpädagogin wirkte sie auch bildungspolitisch in wichtigen Kommissionen mit, um die Idee der Laborschule mit ihrer Offenheit für die Unterschiedlichkeit, ja die Begeisterung für die Vielfalt der Menschen in die Gesellschaft zu tragen.

Mit Prof. Dr. Susanne Thurn verliert die Fakultät für Erziehungswissenschaft eine herausragende Reformpädagogin, die immer überaus sensibel den Blick für die behutsam zu fördernde kindliche Form der Weltaneignung behalten hat. Ihr Engagement für eine kindgerechte Pädagogik spiegelte sich in dem beständigen Bemühen um eine Verknüpfung von Bildungsansprüchen mit der alltäglichen Lebenswelt der Kinder wider. Diese Perspektive hat sie noch wenige Tage vor ihrem Tod an Lehramtsstudierende eines Kooperationsseminars mit dem Bielefelder Tabula-Verein weitergegeben. Wichtig war ihr, dass Lehrer*innen einen Unterschied machen für ein glückliches, sinnerfülltes Leben der Kinder. Das hat Susanne Thurn getan! 

Dekanin Prof. Dr. Helga Kelle und
Studiendekanin Prof. Dr. Beate Wischer
für die Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Bielefeld

Prof. Dr. Annette Textor
für die Wissenschaftliche Einrichtung Laborschule

Prof. Dr. Martin Heinrich
für die Wissenschaftliche Einrichtung Oberstufen-Kolleg

Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose
Prorektorin für Studium und Lehre der Universität Bielefeld

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