Center for Uncertainty Studies Blog
CeUS Pressespiegel #24: Highlights aus den letzten zwei Jahren
Herzlich willkommen zur 24. und vorerst finalen Ausgabe des CeUS Pressespiegels!
Zwei Jahre lang habe ich in diesem Format spannende Artikel aus dem deutschsprachigen Journalismus rund um Unsicherheit, Ungewissheit und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen zusammengestellt. In der heutigen Ausgabe bespreche ich einige Highlights unter den 565 gesammelten Artikeln und blicke zurück auf die 23 Ausgaben des Formats hier auf dem CeUS Blog.
Den Anfang macht ein aktuelles Thema, das die FAZ auch schon im Mai 2024 umgetrieben hat: die Affinität der Deutschen zu Gold als Geldanlage. In Zeiten gesellschaftspolitischer Unsicherheiten suchen die Deutschen Sicherheit beim Edelmetall, so argumentiert „Die Deutschen und das Gold – Geschichte einer Liebe aus Angst" (FAZ, 08.05.2024) mit Blick auf Forschung zum Thema. In dieser wird auch die Hyperinflation 1923 als historische Grundlage wirkmächtiger Narrative in deutschen Familien genannt, die Gold auch heute noch attraktiv machten. Jüngst stieg die Feinunze Gold über 5.500 USD.
Weiter geht es mit „Höchst aufgelöst" (Die Zeit, 24.08.2024). In dieser sehr kurzweiligen Reportage begleitet die Wochenzeitung den Geschäftsführer einer Firma für Überwachungskameras auf einer Tour zu Kunden in Norddeutschland. Die Abnehmerinnen und Abnehmer versprechen sich durch die Kameras erhöhte Sicherheit – und zeichnen vor allem Hasen und Füchse auf. Eine Kundin fürchte, ihre Nachbarn überwachten sie mit Wärmebildkameras, ein Kunde beschuldige seine „Rock-Nachbarn", Brennnesseln im Garten seiner Tochter auszusäen. Ob die Kameras das Sicherheitsempfinden in diesen Fällen steigern könnten, muss offen bleiben.
Das Thema Kontrollverlust steht in „Ist Deutschland verrückt geworden, Herr Nassehi?" (Die Zeit, 03.10.2024) im Zentrum. Der Soziologe, CeUS-Forscher und mittlerweile Vizepräsident der LMU gibt im Interview eine Perspektive auf nach wie vor aktuelle Probleme in Deutschland – und spricht auch darüber, warum prominente Identitätsdiskurse wenig Potenzial für Verbesserungen entfalten.
Konkrete Zukunftsperspektiven bekamen Leserinnen und Leser in „Gute Zukunft, schlechte Zukunft?" (Der Spiegel, 27.09.2024). Hier stellen einige junge Menschen ihre Vorstellungen von Deutschland im Jahr 2070 vor. Dabei lernen wir auch etwas über ihre Mittel und Wege, mit Unsicherheiten umzugehen. Eine Gemeinsamkeit: Keiner der jungen Menschen möchte sich auf Absicherung durch das Rentensystem verlassen.
Ein weiteres Highlight aus dem Spiegel war die Reportage „Besuch beim Kumbh Mela – Baden mit 250 Millionen Hindus" (26.01.2025). Alle zwölf Jahre findet das Großereignis in Prayagraj, Uttar Pradesh, Indien, statt. Es handelt sich um die wohl größte Veranstaltung der Menschheitsgeschichte. Auch dieses Mal konnten trotz erheblicher Planung Massenpaniken leider nicht verhindert werden. Die Veranstaltung ist nichtsdestotrotz ein bemerkenswertes Beispiel für Unsicherheitsnavigation: Erst wenige Monate vor Beginn des Festivals zogen sich die Flüsse Ganges und Yamuna so zurück, dass mit den Bauarbeiten für Straßen, Brücken und Krankenhäuser begonnen werden konnte.
In „Sie wollen den besten Partner finden? Dann viel Glück" (Die Zeit, 05.02.2025) interviewt Die Zeit Gerd Gigerenzer, der 2023 für einen Uncertainty Talk in Bielefeld zu Gast war. Im Umgang mit Unsicherheit empfiehlt der heutige Vizepräsident des Europäischen Forschungsrats (ERC): Schnelligkeit, Intuition und einen kritischen Freundeskreis. Den Uncertainty Talk von Gerd Gigerenzer, in dem er die Frage „Wie können wir lernen, vernünftig mit Ungewissheit umgehen?" stellt, können Sie hier ansehen.
Eine Synthese der zahlreichen Artikel zur „Zeitenwende" und der neuen Rolle Europas in der Welt findet sich bei „Bis Russland resigniert" (Die Zeit, 13.07.2025), wo der Politologe Herfried Münkler Wege auslotet, mit der weltpolitischen Ungewissheit umzugehen.Dass Verschwiegenheit in der neuen Strategie eine Rolle zu spielen haben könnte, deutet ein Blick in die Süddeutsche an. Am 24.06.2025 ging es in „Wie eine Stadt lernte, die Bombe zu verschweigen" um das israelische Atomprogramm.
Zum Abschluss des kleinen Rückblicks auf zwei Jahre CeUS Pressespiegel gibt es nochmal etwas zum Hören: Der Deutschlandfunk hat in den Systemfragen „Komplexe Welt. Wie lässt sich am besten mit Unsicherheit umgehen?" (16.01.2025) u. a. CeUS-Direktor Andreas Zick zu Fragen der Unsicherheit in der deutschen Gesellschaft befragt. Reinhören lohnt sich bestimmt!
Machen Sie es gut!
Adrian Strothotte