Blog Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychologie und Psychotherapie
Artikel zur Regulation interpersonaler Distanz veröffentlicht
Prof. Dr. Arvid Herwig hat den Artikel „The two-body problem in interpersonal distance: A process model of social space regulation in psychopathology“ in Neuroscience & Biobehavioral Reviews veröffentlicht. Der Beitrag ist frei zugänglich.
Wie nah lassen wir andere Menschen an uns heran? Bei sozialer Angst, Essstörungen und Schizophrenie kann sich dieser Abstand verändern. Gängige Erklärungen setzen dabei vor allem beim eigenen Körper an: Eine veränderte Körperrepräsentation könnte dazu führen, dass Annäherung anders wahrgenommen und reguliert wird. Der Artikel greift diese Perspektive auf, erweitert sie aber um die andere Person: Auch ihr Körper hat eine eigene Größe und beansprucht Raum. Abstandsregulation ist damit ein Zwei-Körper-Problem.
Das vorgeschlagene Prozessmodell beschreibt die Abstandsregulation als Regelkreis, in dem Selbst- und Fremdkörperrepräsentation zusammenwirken. Daraus ergeben sich prüfbare Vorhersagen, etwa dass bei Anorexia nervosa die Körperform des Gegenübers die Richtung des Effekts bestimmen könnte. Um solche Prozesse zu untersuchen, reicht es nicht, nur den Abstand am Ende einer Annäherung zu messen. Stattdessen sollte der gesamte Annäherungsverlauf beider Personen erfasst werden.